Als Vordenker im Technologiefeld und Mensch zwischen Kulturen begeisterte Professor Rahman Jamal am 28. September 2026 sein Publikum im Geistlichen Zentrum Franziskus. „Der Mann ohne Muttersprache liest im Mutterhaus“, so titelte eine Lokalzeitung im Vorfeld und unser Gastredner nahm dieses Thema gerne auf. Professor Rahman Jamal stellte sich als „burmesisch-indischer Ostwestfale“ vor, der nach seiner Kindheit in Burma, Bangladesch und Pakistan mit zehn Jahren nach Schloss Neuhaus kam. Dieses Ankommen zwischen „bleichen Gesichtern“ in seiner neuen und spannenden, aber draußen kalten und „toten“ Heimat beschreibt er humorig in seinem Buch und hatte damit gleich schon zu Beginn des Abends die Lacher auf seiner Seite.
Lebenserinnerungen
Mit liebevollen Lebenserinnerungen voller Dankbarkeit stellte er gleichzeitig einige begünstigende Faktoren für eine gute Integration in der Fremde vor: ein stabiles Elternhaus, eine gute Bildung mit Lehrern, die ihn förderten, sodass er den Sprung von der Hauptschule zu Gymnasium und Abitur schaffte, der Wille zum Mehr im Sinne einer „Extrameile“, die er gedanklich immer gehen musste, um seinem Gegenüber entgegenzukommen, sei es in Bewerbungsgesprächen oder alltäglichen Begegnungen, der Beitritt in verschiedene Vereine, um verschiedene gesellschaftlichen Gruppen näher kennenzulernen, sowie Anfragen als Inspiration zum Lernen und zur Horizonterweiterung zu verstehen.
So hat er nicht nur den beruflichen und sozialen Aufstieg als Ingenieur und Professor geschafft, sondern sich auch mit verschiedenen Religionen und Kulturen beschäftigt. Dabei ist er zu der Erkenntnis gekommen, dass uns Menschen immer mehr verbindet als trennt. Daher plädierte er für einen entspannten, großzügigen und barmherzigen Umgang miteinander. Das Anliegen seines Vortrages gipfelte in einem Zitat aus seinem Buch: „Wir können uns in jedem Augenblick dafür entscheiden, menschlich miteinander umzugehen.“ Nach großem Applaus konnten die interessierten Zuhörer ihre Fragen stellen und ihre Erfahrungen, v.a. auch mit Vorurteilen, Stereotypen und Ängsten gegenüber Fremden einbringen sowie mit dem Autor persönlich ins Gespräch kommen.
Sr. M. Alexandra Völzke
