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Wenn die Vuvuzelas für die Waisenkinder erklingen

Ein besonderer Besuch in unserer St. Francis Catholic Primary School in Madisi: Am Samstag, dem 3. Oktober, war in unserer St. Francis Catholic Primary School in Madisi schon von Weitem zu hören, dass sich etwas Besonderes anbahnte. Die ökumenische Frauengruppe „Amayi Zachifundu“ – Frauen des Erbarmens – aus dem Distrikt Dowa hatte ihren Besuch angekündigt. Rund 50 Frauen machten sich auf den Weg, um unseren etwa 600 Waisenkindern eine Freude zu bereiten, Geschenke zu überbringen und ihnen Mut für ihren weiteren Lebensweg zu machen.

Voller Begeisterung

Performance der Gäste auf dem Schulhof.
Performance der Gäste auf dem Schulhof.

Schon ihre Ankunft war ein Erlebnis für sich! Die Damen reisten mit einem Lieferwagen und mehreren Personenwagen an. Auf der offenen Ladefläche des Lieferwagens standen die Frauen dicht beieinander, sangen voller Begeisterung und ließen ihre Vuvuzelas erklingen. Und wer die Lautstärke dieser Instrumente kennt, kann sich vorstellen, dass es keiner besonderen Einladung bedurfte, um auf diesen Besuch aufmerksam zu werden. Die Vuvuzelas kündigten die Gäste so wirkungsvoll an, dass vermutlich auch die Nachbarschaft wusste: Heute ist etwas los bei St. Francis!

Doch hinter dem fröhlichen Lärm steckte eine Botschaft, die viel tiefer ging als alles, was die Vuvuzelas hätten verkünden können.

Eigenes Programm mitgebracht

Normalerweise sind es unsere Schülerinnen und Schüler, die für Besucher ein Programm vorbereiten, Lieder vortragen und kleine Aufführungen einüben. Auch diesmal hatten unsere Kinder etwas vorbereitet. Doch dann kam eine schöne Überraschung: Die Besucherinnen waren nicht nur gekommen, um zuzuschauen und sich beschenken zu lassen – sie hatten ihr ganz eigenes Programm mitgebracht!

Die Frauen sangen gemeinsam im Chor, führten kleine Sketche auf und gestalteten eine kindgerechte, interaktive Katechese. Dabei griffen sie die biblische Geschichte aus dem Buch Ester auf, in der Ester als Waise von ihrem Cousin Mordechai aufgenommen wird (Est 2,7). Auf einfühlsame und anschauliche Weise vermittelten sie den Kindern, dass ihre eigene Lebensgeschichte nicht mit dem Verlust ihrer Eltern endet und dass auch für sie eine Zukunft voller Hoffnung möglich ist.

Miteinander der Konfessionen

Schwester M. Klara Lüers mit Schülerin und Schüler der St. Francis School und Frauen der Frauengruppe.
Schwester M. Klara Lüers mit Schülerin und Schüler der St. Francis School und Frauen der Frauengruppe.

Bemerkenswert war auch die ökumenische Zusammensetzung der Besuchergruppe: Die rund 50 Frauen gehörten verschiedenen christlichen Konfessionen an. Was sie miteinander verband, war der gemeinsame Wunsch, unseren Waisenkindern Freude zu bereiten, ihnen Zuwendung zu schenken und sie für ihren weiteren Lebensweg zu ermutigen.

Die Katechese hatten die Ehefrauen verschiedener evangelischer und freikirchlicher Pastoren vorbereitet und trugen sie auch selbst vor. Anhand der biblischen Geschichte von Ester vermittelten sie den Kindern eine Botschaft, die sie hoffentlich noch lange begleiten wird.

Besonders bewegend war zu hören, mit wie viel Herzlichkeit und Überzeugung die Frauen unsere Kinder ermutigten: Gebt niemals auf! Kämpft für eure Zukunft! Verliert nicht den Mut, auch wenn das Leben schwierig ist. Und vergesst niemals, Liebe weiterzuschenken!

Diese Worte waren keine leeren Versprechungen. Sie kamen von Frauen, die sich bewusst Zeit genommen hatten, um unseren Kindern zu zeigen: Ihr seid nicht vergessen. Ihr seid wertvoll. Menschen kümmern sich um euch und glauben an euch.

Christliche Gemeinschaft

Geschenke für die Schülerinnen und Schüler wurden dankend in Empfang genommen.
Geschenke für die Schülerinnen und Schüler wurden dankend in Empfang genommen.

Wo die Liebe zu den Kindern im Mittelpunkt steht, werden Unterschiede zwischen den Konfessionen plötzlich ganz klein. Oder, um es etwas malawisch auszudrücken: Wenn Frauen aus verschiedenen Kirchen zusammenkommen, um 600 Kindern Mut zu machen, braucht es nicht erst eine ökumenische Konferenz, um zu zeigen, was christliche Gemeinschaft bedeuten kann!

Natürlich gehörten zu diesem besonderen Tag auch ganz praktische Zeichen der Zuwendung. Die Frauen hatten Schulhefte, Seife, Mais, Soja und viele weitere Dinge für die Kinder mitgebracht. Das sind Geschenke, die im Alltag wirklich gebraucht werden und den Kindern und unserer Schule eine konkrete Hilfe sind. Denn Liebe zeigt sich nicht nur in schönen Worten und Liedern, sondern ebenso in einem Heft, in dem ein Kind lernen kann, in Seife für die tägliche Hygiene und in Lebensmitteln, die auf den Tisch kommen.

Dankesworte

Dankesworte von Schwester M. Klara Lüers auf dem Schulhof.
Dankesworte von Schwester M. Klara Lüers auf dem Schulhof.

Zum Abschluss ergriff zunächst Schwester Klara das Wort. Sie dankte den Frauen herzlich für ihr Engagement, ihre Großzügigkeit und vor allem für ihre Liebe zu den Waisenkindern. Ein solcher Besuch ist weit mehr als die Übergabe von Geschenken. Er schenkt den Kindern Aufmerksamkeit, stärkt ihr Selbstvertrauen und lässt sie erfahren, dass sie Teil einer größeren Gemeinschaft sind, die sie trägt und begleitet.

Auch die Besucherinnen selbst brachten in ihrer Abschlussrede ihre besondere Dankbarkeit gegenüber unseren Wohltätern und Spendern zum Ausdruck. Sie wissen es sehr zu schätzen, dass durch deren großzügige Unterstützung nicht nur der kostenlose Schulbesuch unserer Waisenkinder an der St. Francis Catholic Primary School ermöglicht wird. Viele Kinder erhalten dadurch auch die Chance, später als Jugendliche ihren Bildungsweg an einer Secondary School, an einem College oder einer anderen Ausbildungsstätte und sogar an einer Universität fortzusetzen. Damit wird aus der Hilfe für die Kinder weit mehr als eine Unterstützung im Hier und Jetzt.

Als die Gäste schließlich wieder abreisten, waren die Vuvuzelas vermutlich noch immer nicht ganz verstummt – zumindest in den Ohren derer, die den Besuch miterlebt hatten. Doch hoffentlich klangen in den Herzen unserer Kinder vor allem die ermutigenden Worte nach, die Lieder und die Erfahrung, dass Menschen aus verschiedenen christlichen Kirchen gemeinsam an ihrer Seite stehen.

Zeichen der Hoffnung

Für unsere Kinder und für uns Schwestern und Mitarbeitenden war dieser Tag ein besonderes schönes Zeichen der Hoffnung. Er hat gezeigt, dass die Sorge um benachteiligte Kinder Menschen über Konfessionsgrenzen hinweg verbinden kann – selbst dort, wo ökumenische Begegnungen noch ungewohnt sind. Vielleicht war dieser Besuch ja auch ein kleiner Anfang, der Hoffnung macht, solche Begegnungen in Zukunft zu wiederholen.

Die Frauen von „Amayi Zachifundu“ haben unseren Kindern nicht nur Schulmaterial und Lebensmittel gebracht. Sie haben ihnen etwas geschenkt, das sich nicht in Kisten verpacken und nicht auf einer Liste abhaken lässt: die Gewissheit, gesehen und geliebt zu werden, und den Mut, an eine gute Zukunft zu glauben.

Und vielleicht dürfen wir uns auch ein wenig darüber freuen, dass die Botschaft der Barmherzigkeit an diesem Tag nicht nur mit Worten, Liedern und Gesten verkündet wurde, sondern mit einer ordentlichen Portion malawischer Lautstärke!

Ein herzliches Zikomo kwambiri – vielen Dank – an die Frauen von „Amayi Zachifundu“ für diesen unvergesslichen Besuch. Möge ihr Engagement noch viele Früchte tragen und unsere Kinder darin bestärken, ihren Weg mutig, hoffnungsvoll und mit offenen Herzen weiterzugehen.

S. Veronika Engelmann